Wohnungssuche.1

10|06|09

Langsam, viel zu langsam, beginnen die Vorbereitungen für ein Jahr Aufenthalt in Zürich.

Die meiste Angst bereitet mir tatsächlich die Suche, nein, das Finden einer Wohnung. Maßgeblich zur inneren Unruhe tragen dabei dreierlei Dinge bei:

1: ein Zeitungsartikel, der als erfolgreichste Suchmethode für eine Zürcher Wohnung das Lesen der Todesanzeigen in Kombination mit dem Telefonbuch und der geschickten Recherche des jeweiligen Vermieters beschreibt. À la „Guten Tag, Sie haben da eine freie Wohnung.“, […] „Ja, ist tot, traurig, echt heftig.“

2: die Beschreibungen einer ehemaligen ETH-Studentin, die von WG-Casting-Partys berichtete, auf denen man Fragebögen ausfüllen musste, sich über den Abend bei allen glücklichen Bewohnern vorstellen und einschleimen einprägen muss, um dann letztendlich eine Chance zu haben.

3: meine in der Schweiz lebende Tante, die blöderweise keine Kontakte nach Zürich hat, aber dennoch den „Tipp“ parat hatte, dass in Zürich alles sehr, sehr teuer sei.

zu 1: wahrscheinlich wird es nicht auf eine Wohnung allein hinauslaufen. Und natürlich sind in nahezu jeder Wohnung schon Leute gestorben. Aber auf die Frage „Und wie bist du an eine Wohnung gekommen?“ mit „Todesanzeige“ zu antworten, das – also das – – also nee.

zu 2: kann ich nicht sowas. Wenn ich mich in Laune geredet habe ist die Party schon vorbei. Sarkasmus – den kann ich ad hoc. Mögen Schweizer aber nicht. Spricht kein Schweizerdeutsch und macht zweideutige Scherze, denken die dann. Und lassen mich die einmalige Haptik der Haustürklinke am eigenen Leib spüren. Ein letztes Mal.

zu 3: ich knüpfe also weiter.