Grossmünster

15|09|09

Zürichs Wahrzeichen scheint das Grossmünster zu sein. Kaum eine Ansichtskarte ohne, keine Touristentour ohne, selbst die Uni nimmt das Grossmünster unter scheinheiligen Gründen als Logo. Mich beschleicht nicht nur deshalb das Gefühl, dass das Grossmünster Parallelen zum Eiffelturm aufweist: Als echter Stadtbürger muss man es mögen, einfach weil’s halt typisch ist und geschichtsträchtig, eigentlich aber findet man es doch ganz schön hässlich. So ingesheim. Ich finde das Ding öffentlich hässlich. Ich schließe mich da Victor Hugo an (nicht nur weil ich einst auf ein nach ihm benanntes Gymnasium ging), nein weil er Recht hat, denn die Dinger sehen aus wie „hässliche Pfefferbüchsen“. Als wären schöne Pfefferbüchsen so viel besser.

Man tue schaue sich das an:

Grossmünster, so wie es ist.

Grossmünster, so wie es ist.

Man kann es also nicht wegen seiner seltsamen Erscheinung lieben, es muss eine sensationelle Geschichte haben. Zumindest der Gründungsmythos ist spannend:

Felix und Regula kamen um 300 nach Zürich (hieß damals noch Turicum) und begangen den Fehler auf eine Frage hin zuzugeben, dass sie Christen sind. Darauf hin wurden sie auf der damaligen Limmatinsel geköpft. (Heute steht da die Wasserkirche, sie ist nicht im Bilde, jedoch grenzt sie direkt an das weiße Haus im Bildvordergrund.) Nun gehen die Erzählungen schon auseinander. Variante eins: Engel trugen ihre Leiber und Köpfe vierzig Ellen den Berg hinauf. Sieht man mal von der fragwürdigen Existenz von Engeln ab, ist das vorstellbar. Variante zwei: die Störtebeckervariante. Sie rannten los. Bis zu der Stelle, wo sie begraben werden wollten. Was schlussfolgern ließe, dass sich unser Wille nicht in unseren Köpfen, sondern irgendwo unterhalb befindet.

Aber beide Versionen sind sich sicher, 40 Ellen waren es. (Es gibts sogar eine Braunschweiger Elle (etwa 57 Zentimeter), die Schweizer Elle variiert stark, meine Kalkulation beruht auf der recht kleinen Schweizer Elle „von damals“: um 55 Zentimeter.) Also vierzig Ellen, das sind umgerechnet etwas über zwanzig Meter. Verglichen mit Störtebecker, der es an elf Piratenbrüdern vorbei schaffte (11 x 70 cm Piratenschulterbreite, ich hab schmächtige 50 cm) macht knapp acht Meter, sagen wir er hätte doppelt so viel geschafft, wenn ihm kein Bein gestellt worden wäre, also großzügig zwanzig Meter Kopfloslaufstrecke fürs Lexikon. Die Information mit den vierzig Ellen kann man also als korrekt akzeptieren. Egal ob Flügel- oder Beinkraft.

Blöd nur, dass der Grossmünster über 70 Meter (~130 Ellen)  von der Wasserkirche/Limmatinsel entfernt steht. Hab’s nachgemessen.

So ist also der geschichtliche Hintergrund dahin. Muss also wieder schön werden das Ding. Mein Vorschlag: Pfefferbüchsen abreißen.

Grossmünster, so wie es sein sollte.

Grossmünster, so wie es sein sollte.

Geht doch. Ich find’s gleich viel besser.

Sah übrigens genau so aus. Und zwar zu Zeiten Louis XVI‘ – daher stammen auch die nach ihm benannten Balustraden. Das muss eine schöne Zeit gewesen sein. Die französische Revolution und so.

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Eine Antwort to “Grossmünster”

  1. Katrin said

    Ich bin auch dafür!
    *meineunterschriftaufpetitiondrunterkritzel*

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