Körperwelten

21|09|09

Körperwelten

Körperwelten

Gestern begingen wir einen Fehler. Wir pilgerten zu den Körperwelten. Wie das Verb schon sagt, wir waren nicht die einzigen, die lange anstanden um zweiundzwanzig Euro zu berappen, tote Menschen anzugucken. Stimmt nicht ganz, Menschen zwar wirklich tot, aber wir hatten zum Glück zufällig einen Gutschein „Zwei Stundenten zum Preis von einem“ im Internet gefunden. Der Andrang war dann so groß, dass wir sogar noch eine Stunde auf dem schön sonnigen Vorplatz vor dem Puls 5″ lümmeln durften, bis wir rein gelassen wurden.

Puls 5

Puls 5

Eine kleine Rezension:

Um den alten (und teilweise arg heruntergekommenen und demolierten) Figuren einen neuen Rahmen zu geben, trug die Ausstellung den Zusatz „Zyklus des Lebens“. Es begann also mit klitzekleinen Eizellen und endete, nein, nicht mit einem Senior (oder einer Leiche – haha), sondern mit einem Gorilla. Muss man nicht verstehen, war aber so.

Der Gorilla zeigt ganz gut, worum es der Ausstellung eigentlich ging: um Sensation und Aufschrei. Denn anstatt es bei einzelnen Organen, plastinierten Entwicklungsstadien, beeindruckenden Aderstrukturen und den beiden Blutdruckmessgeräten zu belassen, ergänzte man um scheins sämtliche auffindbare Krankheiten und Missbildungen (leukämische Milz, siamesische Zwillinge, Wasserkopf, Raucherlunge etc.) sowie um die berühmten überpositionierten Figuren. So löste sich ohne erkenntlichen Grund eine Frau von ihrer Haut, ein Mann spielte Saxophon, einem Yak entwuchsen Flügel (was in der nebenstehenden Beschreibung als ungemein ästhetisch fantasievoll angepriesen wurde), eine Frau schwang breitbeinig auf einer Schaukel, Leichen, Leichen, Leichen.

Wem es noch nicht reichte konnte sich in dem als „Anatomie-Kabinett“ titulierten abgetrennten Bereich überzeugen, dass auch die Kombination zweier Präparate auf engstem Raum funktioniert. Einmal im Stehen, einmal im Sitzen (sie mit schwarzen Fingernägeln, Stiefeln und schwarzem Schmuck, er mit Irokese) und von hinten – im Längsschnitt.

Mit dem Gefühl des Verlustes von je ziemlich genau elf Euro suchten wir uns anschließend was zu Essen. Langeweile macht hungrig.

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