Heute schaffte ich es, meinen Rucksack mit Schlüssel und Ersatzschlüssel in einen Rollcontainer einzuschließen. Und auf einmal ist man auf der Seite des Bösen und ärgert sich, wie stabil so ein Rollcontainer ist. Und so ein Vorhängeschloss erst.

Den hilfsbereiten Sicherheitsmann der ETH sah diese Barrieren allerdings nicht. Er hatte aber auch einen Hebelarm von circa 120 Zentimetern.

Schloss

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Schnügel.13

30|10|09

Nach dem Mittagessen, vor allem wenn es so fad ist wie das heutige (und damit das erste Mal ein schlechtes Mensamahl in meiner bisherigen ETH-Laufbahn), habe ich oft immer das Bedürfnis etwas Süßes zu essen. Heute widerstand ich erfolgreich. Bis zu dem Zeitpunkt, wo mir mein Gruppenpartner feierlich ein Ragusa überreichte.

Schnügel.13

Ragusa, eine sündige Kombination aus Schokolade, Pralinécreme und Haselnüssen

…sieht so aus:

Hat Spass: Micheline Calmy-Rey

Hat Spass: Micheline Calmy-Rey

(Aus atmosphärischen Gründen kein eigenes Foto.)

Dieser vertrauenswürdigen Dame, einer der sieben Schweizer Bundesräte, lauschte ich heute eineinhalb Stunden lang bei ihren Ausführungen zu Jean Calvin. Sie kommt aus Genf, dort ist Herr Calvin Krösus. Außerdem spricht man dort französisch, weshalb sie zum einen mit wunderschönem französischen Akzent sprach (Ob die Franzosen sowas wohl auch vom deutschen Akzent denken?) und zum anderen immer vom Jean und nie vom Johannes sprach. Hin und wieder verfiel sie ins Französische, einmal sogar ins Englische. Gehört sich wohl so bei einer Bundesrätin mit Spezialgebiet Äusseres. (An dieser Stelle widersteht der Autor gerade so und mit größten Schwierigkeiten sämtlichen sich aufdrängenden Anspielungen auf Guido Westerwelle.)

Ihre Rede war gut, wenn auch in einer Weise Konzentration abverlangend, die ich nach kurzer Nacht, gedoppelter Vorlesung und anschließendem Referat um halb sieben nicht mehr über die ganze Zeit aufbringen konnte.

So hatte ich begleitet von charmanten Dialektklängen Zeit, mir den Ort des Geschehens anzuschauen. Die Aula der Universität Zürich. Erwähnte ich einst schon das Pendant der ETH, die Semper-Aula, so zieht die Universitäts-Aula klar den Kürzeren. Rückseitig belichtet und daher kein Ausblick, drückende Marmorwände in Rosa und Grau, Kassettendecke trotz halbrunden Raumquerschnitts und überall grimmig guckende Männerbüsten. ETH vs. Uni – 1 : 0

Nach ihrem Vortrag kamen noch typische „Ich will einmal einer Bundesrätin eine Frage gestellt haben“-Fragen. Die die feschste Frisur in Schweizer Regierungskreisen allesamt charmant weglächelte. Oder bei besonderer Hartnäckigkeit auf ihre sich ankündigende Heiserkeit verwies. Was dann zur Folge hatte, dass ihr braun gebrannter „Assistent“ einsprang. Das ist alles so charmant hier in der Schweiz. (Heute fragte mich jemand im Aufzug „wohi’mögtzi?“ um dann galant meine Wunschetage zu drücken.) Eines jedoch ließ sich Frau Calmy-Rey nicht nehmen: sie beschimpfte ein wenig die Anhänger der hier gerade so kontrovers diskutierten Minarett-Initiative.

Anschließend gab es im Lichthof der Universität standesgemäß ein Apéro. Nach vier Gläsern Orangensaft und einem Haufen Törtlis, Brötlis, Spiesslies, Wählis, Gipfelis und Kringelis trat ich intellektuell beflügelt und gratis gesättigt den Heimweg an.

Schweizerisch stilsicher drapiert: der Bundesrat

Schweizerisch stilsicher drapiert: der Bundesrat mit lustigen Namen (Klick!)

[Anmerkungen: Dem aufmerksamen Leser könnte es aufgefallen sein: langsam schleicht sich das schweizer „ss“ anstatt „ß“ ein. Ich lass es mal authentisch unkorrigiert. Außerdem sei entsprechend der Bedingungen darauf hingewiesen, dass beide Bilder von den Seiten des Schweizer Bundesrats stammen.]

Auf dem Weg zum günstigen deutschen Friseur passierte ich den herbstlichen Braunschweiger Theaterpark.

Herbst am Theaterpark

(Der Fotograf ist sich bewusst, dass er es mit der Sättigung deutlich übertrieben hat. Aber wo die Blätter noch zu viel Chlorophyll haben, da muss Photoshop ran.)

Tür im Dutt

28|10|09

Anfang der Woche besuchte ich meine ehemalige WG. Meine einstigen Mitbewohner waren so freundlich, mir die Tür zu öffnen. Denn die scheint kaputt.

Tür ist wohl kaputt

Deutschreise.02

28|10|09

Flüge früh morgens sind spannend. Und entspannt. Der Flughafen ist leer und die Atmosphäre angenehm schläfrig und dumpf. In solch einer Laune vergisst man dann zwar gern mal vor dem Metalldetektoren die Armbanduhr abzulegen (Konsequenz: „Warum hammsen so gepiept? Wo fliegensen hin? Was wollnsen da?“) und die Flasche Wasser in der Tasche zu leeren (Konsequenz: Verlust der Flasche Auf Ex Trinken vor den Augen der Sicherheitsbeamten), aber das trübt die Stimmung nicht.

Auch das Rollfeld ist am frühen Morgen ein Erlebnis.

Zürich Flughafen morgens um sieben

Flughafen Zürich, morgens um sieben

Der nur halb besetzte Flieger hiefte sich alsbald über die Wolkendecke ins Licht. Das Klischeeflugzeugwolkenfoto habe ich mir verkniffen (was ich jetzt bereue) aber wenn Wolken essbar wären, sie würden jede Zuckerwatte dieser Welt um Längen schlagen. Dieser Vergleich kam mir auch deshalb weil ich Hunger hatte. Leider schlief ich ein und so bekam ich kein Brötchen, kein Getränk, noch nicht einmal die obligatorische Schokolade. Rücksichtslose Flugbegleiter. Weckt mich das nächste mal gefälligst.

Ab Ankunft in Hannover war die einmalige Stimmung weg. Samstägliches Gedränge und Gerempel. Deshalb endet hier nun di

Pain Surprise

26|10|09

Mittagspause in der Berufungskommission.

Während man uns hier mit Kuchen und belegten Brötchen (Wurst-Käseverhältnis trotz ausdrücklichen Wunsches der gesamten Kommission 4:1) abspeist, gibt es in der Schweiz sehr häufig das „Pain Surprise“. Ein Wunderwerk der Brotbackkunst.

Pain Surprise

Pain Surprise

Belegte Brote im ungeschnittenen Brot. Ich verstehe nicht wie das funktionieren kann, zumal unter dem Papierkranz unten auch kein Schnitt ist. Nichts.

Mutmaßungen und Verschwörungstheorien folgen, nun laufe ich wieder über den verregneten Braunschweiger Forumsplatz zurück, um weiteren durchmischten Kandidaten gemeine Fragen zu stellen.

Zeitumstellung

24|10|09

Gestern war ich Essen. Das vegetarische Mensamahl kostet an der ETH 6,20 CHF. Ich hatte es nicht klein, dafür jedoch einen Zehner und zwei Franken. Es würde die erwartete Münzenanzahl in der Retour natürlich nur bedingt vermindern, jedoch teste ich gerne Kasseusen jedoch war es mir das wert. Leider hat die Mensafrau das nicht kapiert. (Sie beginnt.)

„Was soll ich denn damit.“

„Hmm.“

„Also das bringt mir ja nichts.“

„Ich hmm dachte da hmm an eine hmm Fünfermünze.“

„Ja also nee das ist ja total bescheuert.“

„Hmm.“

„Hier nehmense zurück.“

„Hmm.“

„Und hier Ihr Wechselgeld.“

„Hmm Danke.“

„Und nun en guete.“

„Danke. Tschüss.“

„Ein schönes Wochenende wünsch ich Ihnen.“

Dann sprang sie hinter ihrer Kasse hervor, rannte um die Tablettabstellschiene, tätschelte tröstend meinen Arm und sagte

„Denkense dran – Zeitumstellung.“

Ich war so verdattert – als ich mich wieder gefangen hatte war sie schon weg. Das wär mir in Braunschweig nicht passiert sowas.

Aber da zahl ich auch nur ein Zweieinhalbtel. Aber die Differenz ist es mir wert. Ein herziger Spruch: 1 Franken. Mit Anfassen: 3 Franken.