Kino.09 (Oscar für Dschörmeni)

15|11|09

Geplant und getriezt: Gestern schauten wir uns Michael Hanekes „Das weisse Band“ an. (So sind die Schweizer: ausländische Titel übersetzen sie nicht, aber bei deutschen Titeln muss das ẞ dran glauben.) Der Film geht für Deutschland ins Oscarrennen und wenn ich bis gestern noch dachte „Da hat es sich die Auswahljury ja leicht gemacht, nimmt einfach den Gewinner der Goldenen Palme, und der ist ja auch noch schwarz-weiß, das gaukelt immer Anspruch vor.“, so wäre ich seit gestern empört, bekäme dieses Meisterwerk nicht noch eine Menge weitere Preise.

Das weisse Band

Ein grandioser Film

Beschämenderweise benötigten wir zur Entzifferung des Untertitels einige Minuten. Vielleicht half mir, dass ich das dicke Kryptografiebuch, das ich einst zum Abi bekam, tatsächlich gelesen hatte, vielleicht war es einfach pure Intelligenz… Dass der Untertitel nicht ganz einfach zu entziffern ist, passt hervorragend zum Film. Ganz leichte Kost ist er nicht, er nimmt einen mit, es wird nicht jedes brutale Vergehen gezeigt, man spürt jedoch alles und nach Filmende wirkt die Handlung noch lange nach. Heute Morgen Mittag wachte ich auf und dachte prompt wieder an den Film. Doch das ist kein Filmblog, sondern ein Zürichblog.

RiffRaff

Der Film lief im RiffRaff. Schon mein erster Schweizer Kinobesuch führte mich dorthin, die Architektur hat mich erneut begeistert. Dunkel gefärbter Beton mit eingestellten Holzelementen und auch in diesem Teil des (halbierten und nur über den Bürgersteig verbundenen) Kinos wird die Projektion durch das Foyer geführt.

Projektion im RiffRaff

Der Beamer stellt dabei nicht die tatsächliche Filmprojektion dar, sondern ist nur für die gestochen scharfe Werbung zuständig. Ein schöner Brauch hier in den Zürcher Kinos ist es, Filmplakate im A4-Format auszulegen. Auf der Rückseite befinden sich werberisch Inhalt, Fotos und Pressestimmen. So verlässt man das Kino mit dem Wunsch, ganz bald zwei weitere Filme anzusehen.

Der Eintritt betrug charmante 18 Franken. Gut, mag man denken, Überlängenzuschlag (144 Minuten), Wochenende, Loge und nicht Parkett, dann käme man bei den überteuerten deutschen Multiplexen auch fast auf zwölf Euronen. Aber nein, es kostet hier grundsätzlich achtzehn Ocken. Nur die ersten beiden Reihen sind einen Hauch günstiger. Da ist es dann auch ganz egal ob man Student ist oder nicht.

Jedoch war gestern der Punkt erreicht, wo ich merkte, dass die ganze Echauffage überhaupt nichts bringt. „Züri‘ is tüer.“ und das stört nur die Fremden, weil die hier nicht entsprechend viel verdienen.

Deshalb suche ich mir nun einen Job.

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5 Antworten to “Kino.09 (Oscar für Dschörmeni)”

  1. Motti said

    oh zart! den will ich auch noch gucken ^^
    allerdings im Unikino für 2 euro, bzw mit gutschein für lau :D ch ch

    • Jonathan said

      Da sind die Sessel immer so unbequem. Und das du mit dem Schweizer Länderkürzel dein verächtliches Lachen ausdrückst, das finde ich – rassistisch. Oder so.

  2. Motti said

    ah. das mit dem verächtlichen lachen war mir nicht aufgefallen… Aber ich muss sagen: mir gefällts :D

  3. Tobias said

    Bedenke, dass sich das Versal-ß noch nicht bei jedem Setzer und noch lange nicht für alle Schriftarten durchgesetzt hat. Bei Versalien verwendet man also weiterhin gerne, das hier ja allgemein übliche Doppel-S.

    • Jonathan said

      Werter Tobias.
      Das ist mir bewusst. Ich spielte damit auch nicht auf das Doppel-S im Plakat an, sondern auf die Schreibweise im Internet etc. — denn dort wird selbstredend ebenfalls das Doppel-S verwendet.
      Jedoch, ich verzeihe dir. Denn dein Avatar ist so schnuckelig.

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