Schnügel.19

19|11|09

Verspätet der dritte Teil in der Woche der Schweizer Leckereien.

Heute erstmals gänzlich unzürchersch, (Lindt mit seinen Lindors (Folge 1) hat seinen Sitz quasi um Zürichs Ecke und die Luxemburgerli (Folge 2) sind zwar ursprünglich nur geheuchelt, produktiv aber zweifelsohne aus Zürich.) wir bewegen uns gut siebzig Kilometer in Richtung West-Nordwest. (Diese Bezeichnungen habe ich schon im Erdkundeunterricht damals geliebt. Ich würde sogar mit mir streiten diskutieren reden lassen, ob Basel nicht vielleicht sogar „West zu Nord“ von Zürich liegt.) Also – zurück zum Thema – Basel.

Von dort stammen:

Basler Leckerli

Eine Strapaze für die Kaumuskeln: Basler Leckerli

Wahrscheinlich schon im dreizehnten, auf jeden Fall vierzehnten Jahrhundert, also in der Zeit in der man den Lebkuchen noch der Gewürzzunft und nicht der Bäckerzunft zuschrieb, entstand dieses repräsentative Anschauungsgebäck. „Guckt, wie viele Gewürze ich habe, und wie viel davon man in so wenig Teig packen kann!“ hat man sich damals wohl gedacht und meinte den Geschmacksnerven der weltlichen und kirchlichen Würdenträgern damit einen Gefallen zu tun. Nach heutigem Geschmacksempfinden waren die Basler Leckerlis von einst wohl eher ungenießbar, da gespickt mit Nelken und Ingwer und ordentlich gepfeffert. Daher dienten sie in geriebener Form wieder als Gewürz für neue Lebkuchen.

Im Laufe der Zeit verminderten sich die Gewürzmengen – Zitronat und Orangeat und vor allem Zucker (!) kamen erst später dazu.

Eigentlich ist es ein simpler Lebkuchen. Flach ausgewallt (ausgerollt) und mit ein wenig Zuckerguss oben drauf. Besonders ist vielleicht die Zähigkeit von diesem Gebäck. Man kann es problemlos offen rumliegen lassen. Tagelang. Denn anscheinend hat es das schon vorher erlebt und reagiert darauf abgehärtet mit absoluter Ignoranz. Zäh bleibt zäh.

In einem Land wie der Schweiz bleibt das Gekloppe um die richtige Schreibweise nicht aus. „Leckherle“ oder „Leckerli“, die Basler Zeitung notiert „Läckerli“, wenn der Basler wiederum Lautschrift schreibt, was der Schweizer übrigens ganz allgemein sehr gerne macht, dann schrieb es sich baseldeutsch „Läggerli“.

So sei es, ist mir egal, ich schreibe nicht, ich trainiere weiter meine Kaumuskulatur.

[Morgen (oder heute) dann: Tirggel]

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