Schnügel.20

22|11|09

Ganz besonders verspätet, aber immerhin am Wochenende heute der vierte und letzte Teil der Woche der Schweizer Leckereien.

Das Besondere der hiesig typischen Leckerlis scheint ihre Konstistenz zu sein. Wie auch immer, Hauptsache sie ist extrem. Bisher hatten wir cremig-schleimig, hartnäckig-zäh und sensibel-zart-fluffig, da fehlt ja eigentlich nur noch widerspenstig-knochig. Willkommen, der Tirggel.

Tirggel

Für Zürcher mit robusten Zähnen: Tirggel

Wie schafft man es, einen knochenharten Keks zu produzieren? Man erzeugt einen Teig aus nichts als Mehl, Zucker, Öl und einem Viertel bis Drittel Honig. Den rollt man sehr dünn aus, presst ihn noch in eine Form und backt ihn einzig und allein bei Oberhitze. Keine zwei Minuten, dafür aber 350 bis 400 Grad. Und fertig ist der oben braune, unten weiße Keks. Das kann die gemeine Hausperson (mein Blog soll gegendert sein) selbstredend nur schwerlich nachbacken (es sei denn ihr Ofen kann Pyrolyse) und so ist man auf die gekaufte Form angewiesen.

Der Tirggel ist so Zürich, zürcherscher geht es kaum. Die Kekse zeigen Motive Sujets, zum Beispiel das Sechseläutenfest (gibt’s nur hier), die Spanisch-Brötli-Bahn (gab’s nur hier) oder das Hans Waldmann-Denkmal (steht vor dem Fraumünster). Einst war das anders. Seit der Entstehung im 15. Jahrhundert und nachdem der Keks seinen Status als Medikament verloren hatte, war es vor allem ein Gebäck der Wohlhabenden und Verliebten. Die einen druckten ihr Wappen, Bibelverse oder Zunftberufe drauf, die anderen den Liebesbeweis „Der Dir dies gibt, Dich innig liebt“.

Mir wurde gesagt, ich solle kleine Stückchen dieses Kekses im Mund zergehen lassen, um den Honiggeschmack zur Geltung zu bringen. Mein Tipp: bringe viel Zeit mit. Bis da mal was anfängt zu zergehen, brauchts Geduld. Ich zermale die Tirggel mit den Backenzähnen und schaffe eine schöne Emulsion auf der Zunge. Auch das funktioniert.

Tirggel – der Name klingt erst einmal selten bekloppt. Er wird viel klarer, wenn man weiß, dass es tatsächlich eher „Torggel“ ausgesprochen wird. Und „torggeln“ heißt, na klar, „etwas Zähflüssiges umrühren“. Was angesichts der Unmengen an Honig wohl nachzuvollziehen ist.

Wer mehr über Schweizer Leckereien erfahren möchte, der findet auf kulinarischeserbe.ch alles. Leider entdeckte ich die Seite erst jetzt.

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