Was die Schweizer alles in Kauf nehmen um EU-Bürger zu foppen.02

27|01|10

Also eigentlich war das gar nicht als Reihe geplant, aber angesichts der Neuentdeckung eines Foppmechanismus, drängt es sich auf.

Folge 01: Stecker

Folge 02: Zoll

Eine kleine Entschädigung angesichts des horrenden Preisniveaus (der Faktor 1,5 bis 2,0 im Vergleich zu Deutschland beschreibt’s sehr gut) hier in der Schweiz ist die Möglichkeit der mehrwertsteuerbefreiten Bestellung bei Amazon. Die Betonung in diesem Satz liegt ganz klar auf dem Wort Möglichkeit. Es ist nämlich sehr einfach möglich, die Unmöglichkeit eintreten zu lassen, möglichst kryptische Zollsummen und unmögliche Postbearbeitungsgebühren zu zahlen.

Da hole ich doch gerne mal ein bisschen aus:

Bei meinen bisherigen Amazonbestellungen aus der Schweiz hatte ich immer einen Freibetrag von etwa 120 Euro im Hinterkopf. Für soviel kaufe ich ohnehin nie ein, also bestellte ich mehrfach und genauso oft kam mein Paket ohne weitere Zusatzkosten bei mir an. Denn auch Versandkosten werden hier nicht fällig.

Doch dann plötzlich: eine Bestellung über 67,90 Euro. Versandadresse Schweiz angegeben, FATZ, da waren es nur noch 57,06 Euro. Da strahlt der Sauschwabe. (Geizig und so.) Bestellung abgeschickt, gewartet. Denn warten muss man hier recht lange, das ist ein kleiner Nachteil. Unter einer Woche geht nichts. Gewartet. Plötzlich klingelte es. Aber das Bett war so schön warm und so blieb es bei dem Klingeln. Und einem Zettel im Briefkasten. Da stand dann nicht nur mein Name drauf und wo ich das Paket abholen könne und wann und überhaupt, sondern auch eine Zahl. Eine seltsame Zahl. 25,90. Und dahinter stand noch etwas, dahinter stand nämlich „CHF“, und „CHF“ klingt nicht nur irgendwie nach Geld, nein damit ist Geld gemeint. Bares Geld, Bargeld quasi, die wollten nämlich Geld von mir.

Wie konnte das sein? Eine Bestellung von gerade mal 57 Euronen und die wollen auf einmal etwas von mir, das arg nach Zollgebühren klingt. Ich recherchierte. Und ich muss sagen, meine Eingangsinformation mit den 120 Euro war gar nicht so verkehrt. Genau genommen beträgt dieser Freibetrag sogar 138,90 Euro (± ein Euro, abhängig vom Wechselkurs). Allerdings eben auch nicht für alles, sondern nur für Bücher.

FITZ

Diese werden mit 2,4 % besteuert, das ist nicht anders als in Deutschland, nur halt ziemlich genau ein Drittel. (Dennoch sind Bücher hier viel teuer. Keine Buchpreisbindung. BÄ-BÄMM.) Der Steuerfreibetrag bei Einfuhren beträgt nun hier in der Schweiz generöse 5 Franken. Das sind nicht mal 3,50 Euro. Ab dann wird kassiert.

Bei Büchern entspricht dieser Freibetrag einer Bestellsumme von den oben genannten 138,90 Euro. Bei allem anderen nicht. Und NATÜRLICH hatte ich alles andere bestellt. Filme und Musik.

Steuersatz 7,6 %; Freibetrag der Gleiche; zollfreie Bestellsumme 43,86 Euro (± irgendwas. Mit Gewähr ist das hier alles ja ohnehin nicht.). Da haben wir den Salat. Mehrwertsteuer und Porto gespart und auf einmal will die Schweizer Post 25,90 Franken von mir.

Aber nanu – warum eigentlich so viel? 7,6 Prozent von 57,06 Euro sind doch nur 4,34 Euro und damit nur circa 6,50 Franken.

Jahaaaaa, auch wenn gestern im Fernsehen der stellvertretende Chefredakteur der Weltwoche, das circa rechteste Dummdoofblöd-Magazin der Schweiz, gesagt hat „Schweizer sein heißt: nicht deutsch sein“, dann ist hier immer noch nicht alles anders als in Deutschland. Hier sind die Behörden nicht besser. Die lassen sich hier jeden Schnick bezahlen. Der neue Schweizer Pass kostet prompt mal 120 Franken. Und die Kontrolle der Post auf die Zollpflichtigkeit, die nimmt auch einige Zeit in Anspruch. Eine ganze Menge, wenn man sich mal ansieht, was ich schließlich in den Händen hielt.

Zollvergnügen

Für die achtzehn Franken, soviel kostet es nochmal zusätzlich Gebühr, bekommt man nämlich auch einiges geliefert. Einen Schrieb, warum verzollt wird, auf deutsch und auf französisch natürlich; eine Veranlagungsverfügung, nur auf deutsch, aber nicht minder interessant, dazu später; eine Postquittung mit der erfrischenden Summe; ein Aufkleber einfach so; einer, dass es per Nachnahme überbracht werden muss und mit dem erfrischenden Betrag; ein Aufkleber, dass ich nicht zu Hause war; und nicht zu vergessen ein nettes kleines Plastiktütchen. Denn freundlicherweise haben die netten Menschen von der Post davon abgesehen, das Paket zu öffnen und haben auf die Angaben von Amazon vertraut.

Wer nun trotz dieses ganzen Tohuwabohus den Überblick behalten hat, dem ist womöglich aufgefallen, dass 18 Franken Bearbeitungskack und 6,50 Franken Mehrwertsteuermist noch immer nicht den Haufen End-Dung in Höhe von 25,90 Franken ergeben.

Nun ja, aber ich kann das erklären, denn aus irgendwelchen mir absolut schleierhaften Gründen rechnen die Zollfuzzies mit einem Währungsumrechnungsfaktor von 1,82. Und nicht 1,49. Das ist schon ein ordentlicher Unterschied.

Wie das dann erst bei einer zwielichtigen Wechselstube (Bank) aussehen muss… Aber das kann ich nicht beurteilen. Ich geh da nicht hin.

Denn ICH lass mich nicht foppen.

Und so marschierte ich zur Postbeamtin und sagte voller Energie „Was passiert, wenn ich die Annahme verweigere?“, sie reagierte gar nicht eingeschüchtert (aber dieses kleine Glitzern am linken Nasenflügel, das war Angstschweiß, ich bin mir fast ein bisschen sicher) mit „Dann schicken wir’s zurück!!“.

Dann bezahlte ich die 25,90 Franken.

Für ein Plastiktütchen.

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6 Antworten to “Was die Schweizer alles in Kauf nehmen um EU-Bürger zu foppen.02”

  1. Motti said

    Hahaha : D

    Ich wünsche dir, dass Film und Musik gut sind!!

    • Jonathan said

      Musik (Sia) Knüller, weiß gerad nichtmal, was für Filme es waren. Der Rest war nichtmal für mich.
      Aber das Plastiktütchen ist richtig gut. Jeden Rappen wert.

  2. Katrin said

    Und was ist die Moral von der Geschichte? In Zukunft wird Jonathan lieber die Bücher zum Film lesen, stimmts?

    • Jonathan said

      Nein, ich bestelle häufiger und dafür kleinere Portionen. Und ich bestelle für niemanden mehr etwas mit. Das brach mir nämlich in dem Fall das Genick. Jaha. Scheiß Nettigkeit.

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