Schnügel.24

28|02|10

Kann sich noch jemand an Peter erinnern?

Peter kam, Peter ging. Nun ist er wieder aufgetaucht. Überhaupt taucht er ziemlich oft auf. In der Küche, im Esszimmer, im Wohnzimmer, auf dem Balkon, im Flur, im Bad sogar auch schon einmal. In meinem Zimmer natürlich immer wieder. Wehe ihm, wenn die Katze ihn sieht, dann sieht er zu, an Höhe zu gewinnen.

Heute krabbelte Peter über meine Gardine.

Peter, der Zweite

Peter, der Zweite

Ich glaube Zürich hat eine Peterplage.

Und siehe da, die Stadt Zürich informiert über die marmorierten Baumwanzen. Rät aber zu Vorsicht. Und Rücksicht.

„Bei den ausgewachsenen Wanzen befinden sich Drüsen an der Unterseite der Brust. Das stark riechende Sekret wird bei Bedrohung abgegeben. Befördern Sie deshalb die Baumwanze behutsam aus dem Haus.“

Meine Peters haben bisher noch nicht rumgemüffelt. Meine Peters werden von mir aber auch nicht gepiesackt.

Mir fiel eben auf, dass ich, obwohl in der Schweiz lebend, fälschlicherweise immer die Marsellaise vor mir her nuschele. Nun gut, dass habe ich auch in Deutschland schon gemacht, aber da wusste ich immerhin, was ich eigentlich hätte summen müssen. Hier in der Schweiz wusste ich es nicht. Bis eben.

Der Schweizerpsalm

Trittst im Morgenrot daher,
Seh’ ich dich im Strahlenmeer,
Dich, du Hocherhabener, Herrlicher!
Wenn der Alpenfirn sich rötet,
Betet, freie Schweizer, betet!
Eure fromme Seele ahnt
Eure fromme Seele ahnt
Gott im hehren Vaterland,
Gott, den Herrn, im hehren Vaterland.

So die erste der vier natur-, wetter- und religionslastigen Strophen. Es gibt sie natürlich auch noch in Französisch, Italienisch und Rätoromanisch – welch wunderbare Gelegenheit die Sprachen mal gegenüberzustellen. Nicht alles natürlich, nur die nächstfolgenden Zeilen. Die sind so schön.

Kommst im Abendglühn daher,
Find’ich dich im Sternenheer, …

Lorsqu’un doux rayon du soir
Joue encore dans le bois noir, …

Se di stelle è un giubilo la celeste sfera
Te ritrovo a sera o Signor!

Er la saira en splendur da las stailas en l’azur
tai chattain nus, creatur, Tutpussent!

…was die Vermutung zulässt, dass es sich nicht um sonderlich direkte Übersetzungen handelt. In der italienischen Variante wird zum Beispiel fleißig von der Liebe gesungen (soweit ich das verstanden habe), auch die französische ist bei weitem herzlastiger als das deutsche Seelengedüdel.

Am Rätoromanischen versuche ich mich erst gar nicht.

Deshalb seien hier nur zwei instrumentale Varianten verlinkt. Diese hier auf Wikipedia ist qualitativ ganz nett, lässt sich jedoch nicht herunterladen, im Gegensatz zu dieser hier in einer Mp3-Version. (Rechtsklick auf den Link, Ziel speichern unter…)

An einer Musikbeschreibung versuche ich mich jetzt nicht. Damit hab ich abgeschlossen, seitdem ich einst im Musikunterricht zu Edward Griegs Morgenstimmung aus Peer Gynt einen Schwanensee auf das Papier kritzelte.

Dafür noch ein paar echte Fakten zum Schweizerspalm oder „Trittst im Morgenrot daher“, so heißt die Nationalhymne landläufig:

  • komponiert im Jahr 1841 von Alberich Zwyssig, einem Mönch aus dem Kanton Aargau, und damit quasi à côté von Zürich.
  • Der Text ist recht unbekannt und wird daher entsprechend auf Zettelchen verteilt, wenn es mal ernst werden sollte.
  • Der Schweizerpsalm ist erst seit 1961 die Schweizer Hymne.
  • Vorher war es ein anderer Text zur Melodie der britischen Hymne „God Save the Queen“, was jedoch bei diplomatischen Ereignissen mit Großbritannien und inklusive dem Vorspiel beider Hymnen wenig eigenständig daher kam.
  • Die Einführung im Jahre 1961 galt als Provisorium, die Kantone stimmten über Jahre nicht geschlossen zu, erst 1981 wurde der Schweizerpsalm aus Ermangelung guter Alternativen offizielle Hymne.

Und wer sich nun noch nicht vorstellen kann, wie Musik und Gesang zusammen geht, der wechselt auf die Seiten der Eidgenossenschaft, lädt sich qualitativ höchstwertige Mp3s auf den Rechner und überzeugt sich davon, dass die französische Hymne sehr viel schmissiger ist. (Übrigens lassen sich mit einem Sprachwechsel der Seite auch die französischen und italienischen Versionen runter laden.)

Und jetzt summe ich weiter die Marsellaise.

Weil sie die schönste (und quadratischste) Flagge auffa ganzen Welt hat.

Weil die Landschaft in normalen Höhen nie einen sonderlich weiten Blick zulässt und das so eine gewisse Dauergrundspannung erzeugt.

Weil der Blick von den Bergen daher bestimmt umso grandioser ist. (Zu gerne würde ich aus Erfahrung sprechen, aber meine Faulheit verwehrt es mir.)

Weil man immer nur kleine Wasserflaschen mit sich rumtragen braucht, schließlich kann man sie überall an den Brunnen auffüllen.

Weil man eigentlich gar keine Wasserflaschen mit sich rumtragen braucht, schließlich gibt es ja Brunnen.

Weil es sogar Brunnen im Wald gibt. (Was mich heute beim Waldlauf zu einem sehr glücklichen Menschen machte.)

Weil sie eine lustige, nicht immer leicht zu verstehende Sprache sprechen, die sie aber meist so langsam übermitteln, dass man doch alles versteht.

Weil die Schweiz Wörter wie Fütli, Gipfeli und Chüechli zu verantworten hat.

Weil es lustig ist zuzuschauen, wie alle behaupten, dass Rivella lecker sei.

Weil die Supermärkte eine ganz großartige Rabattierungspolitik haben.

Weil die Schweiz sehr offen gegenüber neuer Architektur ist.

Weil Chips hier so unverschämt teuer sind, dass ich sie einfach nicht kaufe.

Weil der öffentliche Nahverkehr überaus zuverlässig ist.

Weil Tag für Tag mehr Sonnenstrahlen auf mein Gesicht treffen. (Ungeheuer schweizspezifisch.)

Weil es hier ein paar ganz feine Spezialitäten gibt, die aber nicht so gut sind, dass man sich damit maßlos befräße.

Weil es immer ein bisschen Nervenkitzel erzeugt, wenn man nicht weiß, ob mit „Masse“ die Gewichts- oder die Längenvariante gemeint ist.

Weil einem wegen genau dieses Nichtvorhandenseins des ß so dämliche Beschriftungen wie „SPAßBAD GIEßEN“ erspart.

Weil mir bestimmt noch weitere tolle Sachen auffallen werden.

Gaddafi.01

25|02|10

Gaddafi, der Machthaber Lybiens, seit der Verhaftung seiner Söhne in der Schweiz ein klein wenig hassig auf eben diese, hat soeben der Schweiz den „Heiligen Krieg“ erklärt. Nachdem wir in Erfahrung gebracht hatten, dass er damit nur das Geschäft machen mit uns untersagt hat, essen wir in Ruhe zu Ende und gucken eine nette Affendokumentation im Schweizer Fernsehen.

Bei der ARD würde jetzt Laufschrift eingeblendet werden. Die Schweiz behält Ruhe.

Wir verdauen erst einmal. Die Nudeln.

Ich möchte in der Schweiz ein Buch kaufen. Mit was für Kosten habe ich zu rechnen?

Nehmen wir als Beispiel das gerade ausgelesene (und nur bedingt zu empfehlende) Buch „Am Hang“ von Thomas Werner. In Deutschland kostet es 7,95 €. Netto, ohne die deutschen sieben Prozent Mehrwertsteuer, macht das 7.43 €. Ein Schnäppchen.
Umgerechnet in Schweizer Franken ergibt das knapp 10,90 CHF. Die Mehrwertsteuer auf Lebensgüter beträgt hier nur 2,4 Prozent, man landet also bei nicht ganz 11,20 Franken, aber da wollen wir mal nicht pingelig sein.

Nun beachte man bei folgendem Bild die obere Zahl auf dem Kassenzettel.

Schweizer Buchpreisbindung

Schweizer Buchpreisbindung – es gibt keine

Bis 2007 gab es hier in der Schweiz noch eine Buchpreisbindung, die Bücher waren im Deutschen Vergleich keine zwanzig Prozent teurer, was für Zürcher Verhältnisse eine echt Ersparnis ist. Die oben dokumentierte Differenz beträgt hingegen fast 35 Prozent. Allerdings muss dabei noch beachtet werden, dass es sich hier um ein mehr oder minder populäres Taschenbuch handelt, also Belletristik. Bei Sachbüchern sieht das noch mal anders aus.

Das mit dem „Konkurrenz belebt das Geschäft“ hat wohl nicht so ganz geklappt.
Im Jahr 2009 wurde daher eine Gesetzesvorlage zur Wiedereinführung der Buchpreisbindung in die Wege geleitet.

Übrigens habe ich das Buch unentgeltlich geliehen bekommen. Zum Glück. Im Gegenzug gab ich billige deutsche Literatur. Drei Exemplare. Also doch ein schlechter Deal.

Zugegebenermaßen habe ich sie nicht so ganz geschenkt bekommen, (Warum eigentlich nicht?) aber sie sind zweifelsohne von hoher Schenkeigung. Und angeboten bekommen ist ja auch fast ein klein bisschen wie Besitzrechtsübertragung.

Schweizer Zaltli

Schweizer Zaltli

„Zaltli“ ist nur eine von mindestens zweihundersechsundneunzig Schweizerdeutschen Ausdrücken für „Bonbon“. Alternativen wären beispielsweise „Dröblis“ oder „Dröbsli“, „Tääfeli“, „Zückerli“ und „Guetzli“. Womit ich dann auch für jedes der fotografierten Dinger einen eigenen Namen hätte.

Heut in aller Kürze und ohne wahren Informationsgehalt:

Wer von meinen geschätzten Lesern den Browser Firefox nutzt und an dem Erscheinungsbild meines Blogs Gefallen findet, der kann mit einem einfachen Klick seinem Browser ein neues Kleidchen anziehen. Ist natürlich reversibel.

Während meines Wienaufenthaltes kam mir  – ich habe keine Ahnung, vermute jedoch, dass es vergleichbar mit der Kronenzeitung etwas ist wie – die Bild der Schweiz in die Hände. Solche Zeitungen funktionieren ja nur mit Klischees. Und selbst bei dem Unfall des Georgiers Nodar Kumaritaschwili konnte sich der Bildredakteur nicht verkneifen, munter zu manipulieren. Setzte er das Foto auf dem Titelblatt noch unverzerrt, wurde das selbe Foto im Innenteil zu Gunsten des enorm aussagekräftigen Pullovers krass gestaucht. Das erinnert an Sonja Zietlow, deren Haare auch immer aus dem Fernseher rauswachsen, nur damit ihre Hupen noch ins Bild passen. Das folgende Bild ist perspektivisch unverzerrt.

Georgier halt

Das sieht doch gleich schon viel georgischer aus: kleinere Stirn, ausgeprägter Kiefer, kleine Ohren, platter Kopf. Nur eben leider falsch.

Eine kleine, unfeine Photoshopkatastrophe.