Wer hätte gedacht, dass eine Misswahl derartig langweilig sein kann. Zum Glück hatte ich vom letzten Jahr gelernt und mich diesmal nicht allein gequält, sondern fünf weitere Verirrte hinzu geholt.
Und wären unsere Sprüche nicht so unterhaltsam und die Kandidatinnen nicht so selten dämlich gewesen – dann wär’s ein Trauerspiel geworden.
Aber so katapultierten wir wir eine Kandidatin nach der anderen aus der Runde und die Kandidatinnen sich selbst: „Was würdest du tun, wenn du Königin der Schweiz wärest?“, „Die Drei-Tage-Woche einführen.“ – Zack!, raus. Leider war’s die Zürcherin.
Zu allem Übel war ein Luzerner dabei, der am Ende dann auch noch jubeln durfte, als Kirsten Cook aus Luzern von Ex-Miss Schweiz Linda Fäh die Krone schief aufgesetzt bekam. Es wurde geheult und geflennt und dann war’s endlich vorüber.
Folgendermassen sieht sie ohne Wasser in den Augen aus:

Und jetzt wird mir auch klar, warum die alle ein Wasserfotoshooting absolvieren mussten. Um zu beweisen, dass sie auch mit Nass in den Augen gut aussehen.
Kirsten Cook, die Kandidatinnen mit so schönen Namen wie Pennisi und Schüpfer hinter sich ließ, ist gerade mal zu einem Viertel Schweizerin (das wird kommende Woche einen schönen Skandal geben) und hat ein grün-schwarzes Fahrrad. Interessiert natürlich keinen. Wird man die nächsten zwölf Monate dennoch keinen Bogen drum machen können.

(Linda Fäh, strebt nun eine Gesangskarriere an. Das wird noch heiter.)

Es ist soweit, die Schweiz hinterlässt bleibende Schäden bei mir. Offenbart werden diese mit dem Reisen ins Ausland. Zum Beispiel – Deutschland.

Nicht nur, dass ich allerorts „Grüetzi“ und „Merci“ rumposaunte, nur um dann im schwäbischen Stuttgart mit einem glasklaren Hochdeutsch enttäuschen zu müssen, nein ich eckte auch mit Schweizer Kassenverhalten an: Ungebeten steckte ich meine EC-Karte in irgendwelche Lesegeräte. Die Verkäuferin war ganz verstört, zog meine Karte wieder raus, sah mich böse an, tippte nervös an der Kasse rum, steckte sie wieder rein.
Vor lauter Aufregung wegen dieses neuen, alten, ungewohnten Ablaufes versaute ich natürlich die PIN-Eingabe, was mir natürlich keine freundlicheren Blicke als den zuvorigen einbrachte. Nach erneutem Kartenrumgefuchtel (hatte „ABBRUCH“ anstatt „KORREKTUR“ gedrückt) kam tatsächlich so etwas wie Geld auf dem Konto von dem Laden an. Stolz zog ich die Karte aus dem Gerät. Was natürlich schon wieder ein deutscher Faux-Pas ist. Zwei Minuten peinliches Schweizerverhalten und nichts gelernt.

Mich wundert es fast, dass die Verkäuferin „Tschüss“ gesagt hat.

(Zum Glück bin ich wieder in der Schweiz.)

Vulkankack

21|04|10

Alter Laptop tot, neuer (geordert kurz bevor der alte starb) verzögert sich in der Lieferung, Vulkanasche sei Dank. So gammelt das Objekt der Begierde nun an der chinesischen Küste rum.

Bald wird wieder mehr gebloggt. Mit Tastatur!

Mensagespräch zwischen mir (J) und einer Schweizerin (S).

J: „Was werft ihr uns Deutschen nochmal vor?“
S: „Also erstmal muss man ja zwischen Norddeutschen und Süddeutschen unterscheiden. Die Norddeutschen sind so direkt!“
J: „Tja liebe S, wir können nie Freunde werden. Ich bin norddeutsch. Schade.“
S: (scheinheilig) „Oh, so, also so, das war so nicht gemeint.“
J: „Hmm.“
S: „Naja, aber wenn ihr zum Bäcker geht und sagt „Ich krieg‘ das Brot da!“, dann kommen wir damit nicht klar. Wir nehmen das als unhöflich wahr.“
J: „Also, den Schuh zieh ich mir nicht an. Das machen Bayern. Norddeutsche tun so etwas nicht.“
S: „— !“
J: „Nein, Bayern ist nicht ganz Deutschland.“
S: „Weiß ich.“
J: „Dennoch magste Süddeutsche lieber und magst niemals nie mein Freund sein.“
S: „Das hab ich nie gesagt!“
J: „Also willst du, dass wir Freunde werden?“
S: „—“
J: „Netter Versuch. Mit der Direktheit und so.“

Inzwischen studiere ich ja schon mein zweites Semester an der tollen ETH hier in Zürich. Inzwischen weiß ich, welche Mensen zuverlässiger Essbares servieren als andere, welche Toiletten man meiden sollte, wie man die Wasserspender benutzt, ohne dabei vollkommen bescheuert auszusehen, ich weiß inzwischen sogar, wie der Sportpalast von Innen aussieht. Ich kann die Drucker meistens bedienen, ich weiß in welche Richtung die Türen aufschlagen, ich kenne die Busfahrzeiten und weiß inzwischen, dass das Erdgeschoss des Architekturgebäudes nicht das mit dem Buchstaben E ist. (Sondern D.) Aber eines kriege ich partout nicht auf die Reihe:

die Anfangszeiten der Vorlesungen und Seminare.

Wenn es doch nur so einfach wäre wie „s. t.“ und „c. t.“ – aber nein, das ist es nicht. Das gibt es bei den Architektenvorlesungen nicht. Die beginnen vermeintlich zur vollen Stunde, tatsächlich aber häufig früher.

Die Faustregel lautet „Vormittags pünktlich, nachmittags Viertel vor“.

Die Welt ist in Ordnung

Die Welt ist in Ordnung

Wie man sieht, gibt es im Vorlesungsverzeichnis extra eine Verlinkung zur „Genauen Anfangszeit“. Im obigen Beispiel verhältnismäßig unspektakulär wird es nachmittags schon spannender.

Eine Ausnahme bestätigt die Regel

Eine Ausnahme bestätigt die Regel

Soweit so klar, fragt sich nur, wann der Vormittag aufhört und der Nachmittag beginnt. Was ich noch nicht raus gefunden habe. Nun jedoch die Ausnahme der Ausnahme:

Die Welt ist entgleist

Die Welt ist entgleist

Und so passiert es, dass ich sehr, sehr, sehr häufig eine Viertelstunde zu früh aufkreuze und mir in aller Ruhe das Hörsaalmobiliar anschauen kann.

[Dass die angegebene Endzeit niemals, und wirklich niemals die tatsächliche Endzeit ist – überflüssig zu sagen.]

Die Schweizer sind doch bekloppt. Während der Rest der Welt unverbindlich interkontinental Sternzeichen auf seine Zuckertüten druckt, da braucht der Eidgenosse mal wieder eine Extrawurst. Nein, er gibt sich nicht mit zwölf Motiven ab, er will mehr. Er druckt Kantone – er druckt 26 unterschiedliche Zuckertüten.

Zucker-Wallis

Zucker-Wallis / Wallis-Zucker

Das hat auch einen gewissen Lehrwert. Und während man sich munter mit Zucker berieselt, lernt man den Hauptort, die Fläche und das Wappen.

„Mami, darf ich Zucker?“

„Sag mir erst wie viele Quadratkilometer Uri misst!“

Ob in den sechs Halbkantons-Tütlis dann auch nur halb so viel Zucker ist?

„Och nee, nicht schon wieder nur Nidwalden!“

Vielleicht steht dahinter auch weniger der Lehrwert, als vielmehr der Sammelwert.

„Ich tausche zwei Appenzell Ausserrhoden gegen Luzern.“

„Hab ich schon.“

Führt auch zu der beliebten Kioskszene:

„Einmal Kaffee bitte – mit ganz, ganz, ganz, ganz, ganz viel Zucker.“

Komisches Volk.

Während meines Wienaufenthaltes kam mir  – ich habe keine Ahnung, vermute jedoch, dass es vergleichbar mit der Kronenzeitung etwas ist wie – die Bild der Schweiz in die Hände. Solche Zeitungen funktionieren ja nur mit Klischees. Und selbst bei dem Unfall des Georgiers Nodar Kumaritaschwili konnte sich der Bildredakteur nicht verkneifen, munter zu manipulieren. Setzte er das Foto auf dem Titelblatt noch unverzerrt, wurde das selbe Foto im Innenteil zu Gunsten des enorm aussagekräftigen Pullovers krass gestaucht. Das erinnert an Sonja Zietlow, deren Haare auch immer aus dem Fernseher rauswachsen, nur damit ihre Hupen noch ins Bild passen. Das folgende Bild ist perspektivisch unverzerrt.

Georgier halt

Das sieht doch gleich schon viel georgischer aus: kleinere Stirn, ausgeprägter Kiefer, kleine Ohren, platter Kopf. Nur eben leider falsch.

Eine kleine, unfeine Photoshopkatastrophe.

Baselpanorama.2

20|02|10

Ich gebe zu, dass ich einen kleinen Panoramatick habe. Auf einem erhöhten Punkt stehen, eine Höhe fixieren, Kamera im Anschlag, erster Schuss, dann diese geschmeidige Bewegung aus der Hüfte, Klick, Klick, Klick, diese kleine Unsicherheit ob man nicht versprungen ist, Klick, am besten nochmal, dann nach Haus, Fotos zusammenfügen, kurze Freude über das Resultat, aber dann – fatz! – Horizont schief. (Und zu viel Materialverlust bei der entsprechenden Korrektur.)

Baselpanorama vom Münster

Baselpanorama vom Münster