Es ist soweit, die Schweiz hinterlässt bleibende Schäden bei mir. Offenbart werden diese mit dem Reisen ins Ausland. Zum Beispiel – Deutschland.

Nicht nur, dass ich allerorts „Grüetzi“ und „Merci“ rumposaunte, nur um dann im schwäbischen Stuttgart mit einem glasklaren Hochdeutsch enttäuschen zu müssen, nein ich eckte auch mit Schweizer Kassenverhalten an: Ungebeten steckte ich meine EC-Karte in irgendwelche Lesegeräte. Die Verkäuferin war ganz verstört, zog meine Karte wieder raus, sah mich böse an, tippte nervös an der Kasse rum, steckte sie wieder rein.
Vor lauter Aufregung wegen dieses neuen, alten, ungewohnten Ablaufes versaute ich natürlich die PIN-Eingabe, was mir natürlich keine freundlicheren Blicke als den zuvorigen einbrachte. Nach erneutem Kartenrumgefuchtel (hatte „ABBRUCH“ anstatt „KORREKTUR“ gedrückt) kam tatsächlich so etwas wie Geld auf dem Konto von dem Laden an. Stolz zog ich die Karte aus dem Gerät. Was natürlich schon wieder ein deutscher Faux-Pas ist. Zwei Minuten peinliches Schweizerverhalten und nichts gelernt.

Mich wundert es fast, dass die Verkäuferin „Tschüss“ gesagt hat.

(Zum Glück bin ich wieder in der Schweiz.)

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Juhu! Am Dienstag nur ne Wolke anstatt der ewigen Dauerbepissung. Mach weiter so Zürich und du bist mich bald los.

Man muss erst angerufen werden, um zu kapieren, woran es liegt, dass man das Schweizerdeutsche zeitweise nicht gut versteht. Leider werde ich hier so selten angerufen (Ich kann nach neun Monaten immer noch nicht meine Schweizer HandyNatelnummer auswendig.), dass die Erkenntnis erst heute kam. Am Telefon verstand ich fast nichts. Was ich inzwischen geübt mit einer sorgfältig ausgewogenen Mischung aus „Ja“s und „Mmh“s und „naja“s erwiedere, „nein“s entlarven einen meist. Eigentlich fällt es erst auf, wenn ich nicht im richtigen Moment lache. Vertrackt.

Als ich mich später mit ein und der selben Person unter erhöhtem Lautstärkepegel unterhielt – die Abmachung erfolgte dann per Sms, nicht per Gesprochenem – da verstand ich plötzlich alles. Man muss die Leute also angucken. Hätte man auch früher drauf kommen können.

Im Bus sitzend, nur noch nach Hause wollend, Essen fassen und weiterarbeiten, steigt ein Mann ein. Gewandet in einem Deutschland-Trikot (mit großer Aufschrift) und einem Cap in den deutschen Flaggenfarben.

Jonathan denkt, (ohne nachzudenken) „Der ist aber mutig.“

Dann denkt er mit Nachdenken „Jonathan, du bist bescheuert.“

Anschließend denkt er wieder nur ans Essen.

Mensagespräch zwischen mir (J) und einer Schweizerin (S).

J: „Was werft ihr uns Deutschen nochmal vor?“
S: „Also erstmal muss man ja zwischen Norddeutschen und Süddeutschen unterscheiden. Die Norddeutschen sind so direkt!“
J: „Tja liebe S, wir können nie Freunde werden. Ich bin norddeutsch. Schade.“
S: (scheinheilig) „Oh, so, also so, das war so nicht gemeint.“
J: „Hmm.“
S: „Naja, aber wenn ihr zum Bäcker geht und sagt „Ich krieg‘ das Brot da!“, dann kommen wir damit nicht klar. Wir nehmen das als unhöflich wahr.“
J: „Also, den Schuh zieh ich mir nicht an. Das machen Bayern. Norddeutsche tun so etwas nicht.“
S: „— !“
J: „Nein, Bayern ist nicht ganz Deutschland.“
S: „Weiß ich.“
J: „Dennoch magste Süddeutsche lieber und magst niemals nie mein Freund sein.“
S: „Das hab ich nie gesagt!“
J: „Also willst du, dass wir Freunde werden?“
S: „—“
J: „Netter Versuch. Mit der Direktheit und so.“

Ostern!

1|04|10

Schon jetzt am Gründonnerstag, habe ich doch soeben meine letzte Arbeitstat vollbracht, wünsche ich allseits schöne Ostern. Ich habe mich auch schon darauf eingestimmt. In der Schweiz macht man das natürlich mit Schokolade. Und dokumentiert habe ich es auch. Ich nenne mein Werk „The Evolution of Osterhasi“. (Englisch ist immer ein bisschen cooler als alles andere.)

Der Zyklus des Lebens, dargestellt an einem Schokoladenosterhasen. TOT!

Allen Tierschützern und Kalorienbewussten sei mitgeteilt: Es handelt sich um eine Fotomontage. Ich habe (für dieses Experiment) nur einen Hasen verzehrt. (Davor und danach allerdings je noch einen.)

Ein Freund von mir war kürzlich in Belgien. Auf seinem Hotelzimmer war ein Schild mit der Botschaft „Don’t believe the Swiss. We have the best chocolate.“ Und wie mein Charakter so gestrickt ist, konnte ich das als in der Schweiz Lebender natürlich nicht für mich behalten. Ich tischte es hie und da dem einen oder anderen Schweizer auf, dem ich nicht zutraute, mich dafür zu verprügeln. Die meisten lachten nur kurz. Jeder Einzelne war sich sicher, dass die Belgier ein verlogenes Völkchen sind. Eine Kommilitonin schließlich ließ sich auf eine Diskussion ein, die sich schlussendlich auf die beiden Positionen „Schweizer Schokolade ist sicher nicht verkehrt, aber unverschämt teuer“ und „Schweizer Schokolade ist das Beste, das es gibt und auch günstig zu erstehen“ fest fuhr. Welche der beiden Haltungen ich einnahm, dürfte klar sein. Der einzige Ausweg aus dieser vertrackten Situation war eine Wette.

Sie garantierte mir, dass es bei dem Supermarkt coop echte Lindt-Schokolade für weniger als einen Franken gibt. Als mehrmonatig Leidgeplagter von mittelprächtiger Billigschokolade angesichts horrender Preise für gehobene Kakaomasse schlug ich ein. Alle uns umgebendenden Schweizer lächelten mich mitleidig an, als ich den Einsatz siegessicher von einer auf zwei Tafeln erhöhte. „Naja macht ja nichts,“ dachte ich mir, „wenn eine Tafel so billig ist, dann kann ich mir auch zwei leisten.“ Sie freute sich auf kostenlose Schoggi, ich freute mich auf kostenlose Schoggi. Zu dem Zeitpunkt hatte die Welt zwei strahlende Gesichter mehr.

Gestern kaufte ich ein. Ich suchte und suchte und suchte. Doch günstige Lindt-Schoggi fand ich keine. 1,95 Franken berappte ich schließlich für eine Tafel Lindor. Günstiger kam ich nicht weg. Zugegebenermaßen war sie es wert. Verdammt, war die es wert. Die war es sowas von wert, dass ich diese Woche nicht umhin kommen werde, noch eine weitere zu kaufen.

Beweismaterial

Das Beweisstück. In den Hintergrund hat sich meine neue Cutmatt geschlichen. Die olle Flitzerkuh. (Man beachte auch die Doppelbürli. 50% reduziert!)

Heute servierte ich meiner Wettkollegin den Kassenzettel. Entsetzt recherchierte sie eine Stunde lang im Internet.

Und beharrt nun nur noch vehement darauf, dass es sich um die beste Schoggi der Welt handelt.

Soziologieseminar. Bedingt spannend. Hörsaal ohne Fenster. Flucht in die digitale Realität. Augen zusammenkneifen. Oberschenkel warm rubbeln. SONNE.