Schweizer Städte sind erstaunlich gefällig.
Basel hat viel neue und nette aber auch alte und charmante Architektur, schöne Platzräume, tolle Menschen (Danke für die Übernachtung, Eva, danke für die Führung, Isidor.) und eine Sprüngli-Filiale gibts seit neuestem auch. Nur der Rhein ist verdammt groß. Da ist die Zürcher Limmat gefälliger und romantischer.

Die folgenden Bilder sind größtenteils kommentiert.

Baselpanorama.2

20|02|10

Ich gebe zu, dass ich einen kleinen Panoramatick habe. Auf einem erhöhten Punkt stehen, eine Höhe fixieren, Kamera im Anschlag, erster Schuss, dann diese geschmeidige Bewegung aus der Hüfte, Klick, Klick, Klick, diese kleine Unsicherheit ob man nicht versprungen ist, Klick, am besten nochmal, dann nach Haus, Fotos zusammenfügen, kurze Freude über das Resultat, aber dann – fatz! – Horizont schief. (Und zu viel Materialverlust bei der entsprechenden Korrektur.)

Baselpanorama vom Münster

Baselpanorama vom Münster

Als wir unser Wiener Hotel buchten da irrten wir gewaltig beim Erwartungswert. Denn was stand da in der Beschreibung?

Eine Minibarfüllung inklusive.

In unseren Vorstellungen türmten sich die Fläschlein, der Alkohol war uns natürlich – als Teilzeit- und Vollzeitverweigerern – egal, doch es ging um die Möglichkeit der Auswahl. Um das allumfassende Sortiment, das keiner braucht. Um das fesselnde bunte Regal im Supermarkt, bei dem dann eigentlich doch nur die eine Packung unten links von Interesse ist. Um die Freude am Regenbogen, obwohl man doch eigentlich nur die eine Farbe ganz besonders schätzt. Um die Faszination der Vielfalt als solche, Sinn hin oder her.

Voller Vorfreude entsprechend der Blick auf die verheißungsvolle Schranktür.

Minibar01

Nochmal zur Erinnerung: Es geht um die Begeisterung an der Federpracht des Pfaus, obwohl man sich der Schlichtheit eines Schwans unbedingt bewusst ist. Es geht um die überbordende Form- und Farbkombination des Malewitsch, im Gegensatz zu einem schlicht subtilen Rothko. Es geht um das, was die Materialität des Indischen Apfels bei der Minibarschranktür verspricht, obwohl Kiefer auch sehr charmant sein kann.

Eine Minibarfüllung inklusive.


Minibar02

Verschissene Lockangebote.

Baselpanorama

16|02|10

Als Vorgeschmack ein Panorama der Stadt Basel am Rheinufer. Wegen unretuschierbar vermurkst-verstelltem Weißabgleich beim Fotografieren in schwarz-weiß.

Baselpanorama

Dominic Heinzl

12|02|10

Kaum ein Tag in Wien und schon den ersten Promi erblickt. Dominic Heinzl, der gleich um 22.00 Uhr im ORF nach einem vollen Tag Nachbearbeitung noch ein wenig Klatsch aus dem Opernball rauszuholen versucht, stand vor dem ORF-Senderhaus um die Ecke unseres Hotels und piefte.

Ich erreiche den Hauptbahnhof Zürich und finde nach einigem Suchen wegen der schlechten Bezeichnung auch meinen Wagen. Die Abteile sind so sprunghaft ausgezeichnet, dass ich erst fürchte, mein Bett am anderen Ende des Zuges zu finden, treffe dann aber einen etwas mitleidig dreinblickenden Anfangvierziger vor einem Kämmerchen mit meiner Nummer. Auf engstem Raum vier Betten. Meines oben rechts. Darauf ein Papiertütchen mit kleinem Handtuch, Seife und einem Joghurtbecher. Nur mit Wasser. Laut Beipackzettel alles von einem Behinderten in Wien eingepackt. Ich schmeiße den Koffer aufs Bett, hole die Schlafanzughose raus (was sein muss muss sein) und packe ihn dann auf die Ablage überm Fussende. Auf meiner Decke befinden sich nun Schneematschdreckflecken.

Auf der Ankreuzliste fürs Frühstück gibt es alles was das Herz begehrt. Inklusive Schinken im „Black Forest style“. Vier Kreuzchen sind gratis, jedes weitere kostet einen Euro. Ich pfeife auf Belag und erinnere mich an die einmalige Wirkung von Joghurt gegen Mundgeruch.
Ergo ein Becher Schwarzen Tee, zwei Stück frisches Gebäck, Naturjoghurt mit Cerealien und Fruchtjoghurt. Mehr Masse ist mit vier Kreuzen kaum möglich. Mein Schrägunterlieger (laut Tshirt Student der ETH Lausanne, etwa 25)
durchschaut meine Taktik wählt aber Kaffee. Der Vierziger unter mir steigt zu früh aus als dass er was essen dürfte.

Nach einem Klopfen steht plötzlich eine mutlos uniformierte Frau auf dem freien halben Quadratmeter. Sie duzt munter drauflos, schnappt sich Fahrkarten, Halbtax (Schweizer Bahncard50) und Personalausweis, sowie den Frühstücksstimmzettel und verschwindet. Um sechs Uhr schon will sie uns das Frühstück kredenzen. Dabei komm ich doch erst um halb acht in Wien an.

Nach diesem nervenzerfetzenden Auftritt wird es wieder ruhig. Denn die Dame hat uns erlaubt, das Licht auszumachen. („Ihr könnt jetzt schlafen.“) Ich frage auf Deutsch und Englisch um Erlaubnis und knipse das Licht aus. Alle Lampen erlöschen nur die über meinem Bett nicht. Tolle Wurst. („Schwarzwälderart“) Ich fummele an der Lampe rum, drücke die Plastikabdeckung wieder in die Fassung aber sie bleibt an. Dann erst finde ich am Eingang einen zweiten Knopf mit einem Nachtbeleuchtungssymbol.
Während ich nun gerade diese Zeilen in den iPod tippte fiel mir die Plastikabdeckung recht unsanft auf den Rücken. Ich stecke sie in meine Tasche, die gerade noch so neben mein Kopfkissen passt und zücke dafür die Ohrenstöpsel, denn es rauscht und knarzt schon ein wenig. Bis sechs Uhr sind es noch sehr knapp sieben Stunden. Und sieben Stunden Schlaf sind ziemlich zu wenig.
In diesem Moment höre ich die benachbarte Klospülung und den Wasserhahn. Na super. Das Scheisshaus ist nebenan. Die Ohrstöpsel blockieren derweil übrigens längst meinen Hörgang Nacht!

Fünf Minuten vergehen, ich merke wie viel man trotz Stöpseln hört. Ich krame mein Handy hervor und bedanke mich mit einer Sms bei meiner Oropax-Tipp gebenden Vermieterin.

Nach zwanzig Minuten fällt mir auf, dass mir nie zuvor so viele Wörter für Toilette eingefallen sind. Kloake, Lokus, Abort, Latrine sind vier davon. Die restlichen siebenundachtzig würde ich morgens wieder vergessen haben.

Nach weiteren zwanzig Minuten beschließe ich, dass Betten im Rest meines Lebens mindestens 1,40 Meter in der Breite messen sollten. Außerdem rede ich mir (fälschlicherweise) ein, dass Decke und Kissen eher die Namen Lätzchen und Holzscheit verdient hätten.

Weitere zehn Minuten drauf schleicht sich dieses so gar nicht vermisste Klassenfahrtgefühl ein, dass alle schlafen nur ich nicht.

Später fällt mir noch auf, dass entweder Babys komisch sind oder sich Zugbewegungen so gar nicht mit denen einer Wiege vergleichen lassen.

Morgens um fünf wache ich auf. Über mir brennt das Licht. Wahrscheinlich hat sich der Früheraussteiger unter mir schön mit Wecker aus dem bezaubernden Schlaf reißen lassen. Und mich mit. Bis sechs kriege ich die Augen nicht mehr zu. Dann schon, freundlicherweise kommt das Frühstück auch eine halbe Stunde später. Auch befinde ich mich nun wieder im Besitz meiner Dokumente.
Der schwarze Tee macht dem Gebräu im Flugzeug alle Ehre. Die beiden Semmeln sind so schön pappig, wie es sich für Österreich gehört, mit Butter ein Gedicht. Das Fruchtjoghurt hat nicht die erhoffte Masse, dafür ist das „Naturjoghurt“ verdächtig rosa und schmeckt überraschend himbeerig. Irgendwo im unteren Drittel mache ich dann tatsächlich noch Bekanntschaft mit zwei Cerealien.

Meinen verbliebenen Mitreisenden frage ich vorsichtig, ob er Englisch oder Französisch SPRÄCHE. Er antwortet „I UNDERSTAND only English and French and ei bissi Deutsch.“, seine Wahl des Prädikats nehme ich mir zu Herzen und halte die Fresse.

Das Lavabo im Zimmer ist von einer Glasplatte abgedeckt, die mit Superkleber fixiert zu sein scheint. Anscheinend kleben sie je nach Bedarf die Waschbecken zu, ich habe nämlich ein Abteil ohne Lavabo gebucht. Demonstrativ drücke ich den Wasserknopf und lausche verzückt-verschwenderisch dem verborgenen Rauschen. Dann schäme ich mich ein
bisschen und trete den Weg zum Klo an. Mit Zahnbürste, Deo und Haargel bewaffnet mache ich mich auf, das Ungetüm Schlaf zu zähmen, seine Auswirkungen zu negieren.

Mir entgegen gerannt kommt eine entsetzte Dame, die jemanden, der das Abschließen vergaß, überrascht hat. Auf engstem Raum gelingt mir die maximale Hygiene. Bloß mit Zahncremeschaum im Mund bemerke ich: ich habe den Wasserjoghurtbecher vergessen und das Wasserhahnwasser beunruhigt mich angesichts Trinkverbot.

Wieder im Zimmer erquickt sich der Gesprächssüchtige am Lavabo. Latent verarscht packe ich um und mache mich schön. Allerdings nicht ganz so schön wie geplant, denn meine Reisebegleitung schrieb mir zwischenzeitlich eine Sms, ihr Flieger sei zweieinhalb Stunden verspätet. Damit ist das mühsamsf erkämpfte Frühstück im Grand Hotel, zu dem sie ohnehin schon recht spät gekommen wäre, eindeutig geknickt.

Die nette Zugbegleiterin hat über Nacht rein optisch ihre Nettigkeit eingebüßt. Charmant schmunzelnd allerdings überbringt sie bei Abholung des Tabletts die Nachricht, dass wir aktuell 37 Minuten Verspätung hätten. Zum zweiten mal an diesem noch frischen Tage verhalte ich demonstrativ: Ich lächle zurück.

Basel.01

11|02|10

Basel war schön, aber Basel war auch ungeheuer kalt. Mann haben wir uns einen abgefroren. Aber nicht nur uns war kalt, auch dem heiligen Georg der Stadt Basel war kalt.

Der heilige spitze Georg von Basel

Der spitze Georg (in der Vergrösserung KLICK! noch spitzer.)

Zumindest hoffen wir ein wenig, dass ihm nur kalt war…

Weitere Bilder folgen, jetzt geht es erst einmal nach Wien.

Heute geht’s die Schweiz erkunden.
Gerade rechtzeitig hab ich meine Lieblingskommilitonin Eva noch abgefangen, bevor sie ihr Praktikum in Basel beendet und wieder nach Braunschweig krabbelt.

Zürich, Basel, Basel, Zürich, Zürich, Basich, Zürel, Büsich, Zarel.

Im Laufe der nächsten Tage gibt’s dann Bilder und Schwärmereien. Und wenn nicht, dann muss Eva wirklich befürchten nur noch krabbeln zu können.