Bündnerfleisch

26|09|10

Ein bisschen zu spät fast schon will ich hier unbedingt noch das sicher schon Kultvideo vom nicht mal mehr amtierenden Bundesrat Hans-Rudolf Merz unterbringen. Beim Verlesen einer etwas dröge formulierten Erklärung zum Zusatz von Geschmackstoffen verliert er die Beherrschung. Das Video war in aller Munde, die Bündner nutzten die Gunst der Stunde und verteilten daraufhin Bünderfleisch vor dem Landtag in Bern, bedruckt mit dem Konterfei Hans-Rudolf Merz‘.

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Wirklich gerne, hätte ich das entsprechende Video mit dem weltverändernden Lächeln einfach eingebunden. Aber meine Blogspaltenbreite ist schlichtweg zu schmal und wenn ich selbst im Quellcode rumpfusche, dann verweigert er das Abspielen. Und so muss ich euch zwingen HIER zu klicken und meine Seite zu verlassen.
Dabei habe ich es extra für diese Seite hier erstellt. So ein Schmarrn.

Im Zuge des Artikels zu den Namen der Bundesräte und auch schon früher, bei dem Artikel über Cruella De Vil Micheline Calmy-Rey stieß ich auf das entsprechende Bundesratsfoto der Schweiz. Das Ding hat Tradition. Da hier im Jahresturnus der Bundespräsident (hier nicht repräsentativer Schamane, sondern Oberhaupt des Stammes, um mal in Peitschen-Peers Metaphorik zu bleiben) wechselt und der Bundespräsident für die Konzeption des Bundesratsfotos verantwortlich ist, kriegt man Jahr für Jahr was nettes neues zu Gesicht. Das Ganze scheint hier ähnlich wichtig zu sein, wie beispielsweise die Wahl der Miss Schweiz. Es wird kontrovers diskutiert und nicht selten wird versucht, daraus Schlüsse über das kommende politische Jahr zu ziehen. Anlass genug für einen kleinen Überblick über die letzten paar Jahre Bundesratsdrappage.

Bundesratsfoto Schweiz 2007

Bundesratsfoto Schweiz 2007

2007 war das Jahr der Micheline Calmy-Rey. (Ich verzichte jetzt mal auf diese selbstgefällige Eigenverlinkung. Der Artikel ist ja oben schon verknüpft.) Micheline Calmy-Rey, die strahlende Politikpersönlichkeit der Schweiz. Modisch immer auf dem neusten Stand. Nicht nur deshalb jedoch nicht immer ernst genommen. Liegt vielleicht auch an der wechselnden Farbe ihrer Haarsträhnen. Man weiß es nicht. Wenn man sich das Bild so anschaut möchte man ihr unterstellen, dass sie in ihrer Freizeit (!) gerne mal bei einer Folge Topmodel (muss Dschörmenies Variante sein, gibt’s hier in der Schweiz nämlich nicht.) abschaltet. Als Präsidentin schreitet sie mit einer Energie voran, die sonst nur noch der Schnauzbart zur Rechten (Samuel Schmid) zu entwickeln droht. Herr Merz (zweiter von rechts) hingegen scheint zu viel Respekt vor dem gefliesten Schweizer Kreuz zu haben. Er strauchelt lieber ein wenig vor sich hin.

Bundesratsfoto Schweiz 2008

Bundesratsfoto Schweiz 2008

In seiner zweiten Amtszeit als Bundespräsident wollte Pascal Couchepin wohl besondere Nähe zum Volk suggerieren. Und fällt voll auf die Nase, denn das Bild transportiert nicht viel mehr als die Botschaft „Politiker sind auch nur ein Teil der Masse“. Dabei hat man sich solche Mühe gegeben, schön kontrastierende Paradiesvögel der Gesellschaft aufzutreiben. Da wird eine Multikulturalität (?) demonstriert, die mir hier so noch nie begegnet ist. (Aber ich war 2008 auch nicht in der Schweiz.) Alles ist dabei. Alle Nationalitäten, alle Körperzustände, alle Altersphasen (aber wahrheitsgetreu besonders viele Alte, das langweilt die Kinder in der ersten Reihe auch ein wenig.), Bemützte, Karierte, Machos und Coiffeusen, Babys und schon wieder landestypische Schnauzbärte. Erkennungsmerkmal der Bundesräte ist neben einfallsloser Kleidung der direkte Blick in die Kamera. Das ist so unterschwellig gewitzt, ich hab das mal herausgearbeitet.

Bundesrat 2008 Ausschnitt

Bundesrat 2008 Ausschnitt

Und das Volk tut wie ihm geheißen, es schaut weg. Außer einer, denn ein kleiner Flitzer hat sich reingeschummelt. Direkt hinter Herrn Merz (zweiter von rechts). Da kauert er und wagt mit einem Auge den Blickkontakt. Vielleicht erklärt sich so der etwas angewiederte Blick von Frau Calmy-Rey. Möglichweise aber pustet ihr der Hintermann auch einfach nur ganz gemein in ihre Frisur. Schuft.

(Anmerkung Maika: „tihi“)

Bundesratsfoto der Schweiz 2009-1

Bundesratsfoto der Schweiz 2009-1

2009 durfte endlich Friedrich Merz sieben Zentimeter vor allen anderen stehen. Dass ihn das optisch kleiner macht hatte er nicht bedacht – er grinst es charmant bei Seite. Statisch und dennoch wütend dynamisch war wohl der Hintergedanke bei diesem erstmals digital zusammengeschusterten Bild, öffnet man es mit gewissen Programmen ist sogar noch eine Hilfslinie auf zwei Metern Höhe hinterlegt. Die digitale Komposition sollte sich alsbald auszahlen, denn als zum ersten November des Jahres Pascal Couchepin durch Didier Burkhalter ersetzt wurde…

Bundesratsfoto Schweiz 2009-2

Bundesratsfoto Schweiz 2009-2

…war man mit einer Fotografie des neuen Bundesrats und einer Stunde photoschöppeln (so heißt es hier in der Schweiz) fein raus. Endlich waren alle Bundesräte von ähnlicher Größe, Pascal Couchepin hatte man erfolgreich rausgemobbt, nachdem er sich standhaft weigerte, so wie seine Geschlechtsgenossen eine Hand in die Hose zu stecken. Man gruppierte munter um und plötzlich schwebte Ueli Maurers linker Fuß noch mehr als zuvor (das SVP-Pummelchen). Wenn man die Augen zu 98 % Prozent zusammenkneift dann fällt irgendwann auch nicht mehr auf, dass der Neue (links) falsch belichtet ist, deshalb auch Lackschühchen zu tragen scheint, die zudem auch noch perspektivisch falsch den Boden berühren. Doch die Schweiz musste mit diesem Bild ja nur zwei Monate aushalten, ein Glück.

Bundesratsfoto Schweiz 2010

Bundesratsfoto Schweiz 2010

Oder doch kein Glück, denn Doris Leuthard (beige bemantelt) wischte sämtliche Konventionen vom Tisch und haute danach nochmal ein bisschen auf die Kacke. Weg mit dem Querformat, Rückbesinnung auf die weibliche Dynamik von 2007, „und jetzt ab in Zweierreihen, Frauen immer in den Vordergrund! Nein, du nicht Corina Casanova, du bist nur Kanzlerin, du machst die Nachhut. Außerdem gefällt mir dein rosa Jäckchen nicht.“ Denn während sich 2009 noch alle aus Rücksicht vor dem roten Hintergrund schlicht schwarz kleideten, setzte die Schweizer Mode nun ihren Siegeszug fort. Ich zitiere den Blick, das Schweizer Bild-Pendant: „Aussenministerin Micheline Calmy-Rey wählte violett, Bundeskanzlerin Corina Casanova pink. Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf hat sich für ein klassisches nachtblaues Deux-Pieces entschieden, und Bundespräsidentin Doris Leuthard trägt einen beigen Mantel in Dreiviertel-Länge.“ Als wäre all das nicht absurd genug, griff man für den Hintergrund ausgerechnet dorthin, wo eigentlich schon die zerschlagenen Exkremente vom Anfang hingehört hätten: ins Klo. Das Bundeshaus verpixelt. Versteht wirklich niemand hier, warum die Bundesräte auf einmal auf Klassenfahrt in einem Nintendo64-Spiel sind. Aber dieser Streifzug durch digitale Welten erklärt auch, warum nur die Füße Schatten werfen. Die Rechenleistung dieser alten Kisten ist begrenzt.

„Und nun weiter im Gleichschritt! Ja, Reihe Zwei und Drei ihr macht das schon ganz gut…“

Bevor man jetzt anfängt, sich zu überlegen, wie sowas in Deutschland unter Angela Merkel aussähe, ist ein Streifzug durch die Galerie der älteren Fotos unbedingt vorzuziehen. Das kann man auf den Seiten des Schweizer Bundesrats tun oder in der Wikipedia. Besonderes Augenmerk sei dabei auf Moritz Leuenberger gelegt, der erst nach langem Kampf mit sich selbst die Denkerpose ablegte und ein Lächeln aufsetzte. Und zwar so 2005/2006.

[Die Bilder stammen allesamt, von den Internetseiten des Schweizer Bundesrats. Musste gesagt werden.]

Ach und nochmal drauf achten: der Vizebundespräsident des aktuellen Jahres ist immer ebenfalls ein wenig hervorgehoben und darf so schonmal Präsenz üben für das nächste Jahr, wenn er nämlich selbst als Präsident in den Vordergrund darf.

Dieser Artikel hat einen ganz einfachen Anlass. Immer wieder verirren sich Leute auf meine Seite, weil sie nach den Namen der Schweizer Bundesräte suchen. Das hat einen noch einfacheren Grund: der Einbürgerungstest hier in der Schweiz sieht auch das Abfragen eben dieser Namen vor. Und entsprechend unsicher und hektisch sind die Suchanfragen dann auch meist gestellt.

bundesräte namen (9 mal!)

bundesräte 2009 namen

bundesräte (namen

bundesrat schweiz

nemen der 7 bundesrate (dreimal in genau dieser Form!)

Da bisher die Namen nicht mit der entsprechenden Absicht auf dieser Seite vermerkt waren, musste man einiges rumklicken, bis man darauf stieß. Das ist gut für meine Statistik, aber nicht sonderlich nutzerfreundlich. Hier nun also endlich anständig gelistet:

DIE NAMEN DER MITGLIEDER DES SCHWEIZER BUNDESRATS: (Name, Partei: Departement, ggf. Sonderposition)

Doris Leuthard, CVP (Christlichdemokratische Volkspartei): Volkswirtschaft, im Jahr 2010 Bundespräsidentin

Moritz Leuenberger, SP (Sozialdemokratische Partei der Schweiz): Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation im Jahr 2010 Vizepräsident

Didier Burkhalter, FDP (Freisinnig-Demokratische Partei): Inneres

Micheline Calmy-Rey, SP: Auswärtiges

Ueli Maurer, SVP (Schweizerische Volkspartei – Dabbelige Dubbels): Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport

Hans-Rudolf Merz, FDP: Finanzen

Eveline Widmer-Schlumpf, BDP (Bürgerlich-Demokratische Partei): Justiz und Polizei

(und nicht „zählend“: Bundeskanzlerin Corina Casanova, CVP)

Dazu gibt es auch ein Gemeinschaftsbild, aber das ist dermaßen grausig, dazu gibts später einen neuen Artikel. Einzelbilder der Bundesräte (dann kann man sich das besser merken, mit Gesicht dazu) zum Beispiel hier.

Und jetzt viel Erfolg bei der Einbürgerung!